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Jahreskreis
Lesung
aus dem zweiten Buch der Könige.
1Im neunten Regierungsjahr des Königs Zidkíja,
am zehnten Tag des zehnten Monats,
rückte Nebukadnézzar, der König von Babel,
mit seiner ganzen Streitmacht vor Jerusalem und belagerte es.
Man errichtete ringsherum einen Belagerungswall.
2Bis zum elften Jahr des Königs Zidkíja wurde die Stadt belagert.
3Am neunten Tag des vierten Monats
war in der Stadt die Hungersnot groß geworden
und die Bürger des Landes hatten kein Brot mehr.
4Damals wurden Breschen in die Stadtmauer geschlagen.
Alle Krieger verließen die Stadt bei Nacht
auf dem Weg durch das Tor zwischen den beiden Mauern,
das zum königlichen Garten hinausführt,
obwohl die Chaldäer rings um die Stadt lagen.
Der König ging in die Richtung nach der Áraba.
5Aber die chaldäischen Truppen setzten dem König nach
und holten ihn in den Niederungen von Jéricho ein,
nachdem alle seine Truppen ihn verlassen
und sich zerstreut hatten.
6Man ergriff den König
und brachte ihn nach Ribla, zum König von Babel,
und dieser sprach über ihn das Urteil.
7Die Söhne Zidkíjas machte man vor dessen Augen nieder.
Zidkíja ließ er blenden,
in Fesseln legen und nach Babel bringen.
8Am siebten Tag des fünften Monats
— das ist im neunzehnten Jahr des Königs Nebukadnézzar,
des Königs von Babel –
rückte Nebusáradan, der Befehlshaber der Leibwache
und Diener des Königs von Babel,
in Jerusalem ein
9und steckte das Haus des Herrn,
den königlichen Palast und alle Häuser Jerusalems in Brand.
Jedes große Haus ließ er in Flammen aufgehen.
10Auch die Umfassungsmauern Jerusalems
rissen die chaldäischen Truppen,
die dem Befehlshaber der Leibwache unterstanden, nieder.
11Den Rest der Bevölkerung, der noch in der Stadt geblieben war,
sowie alle, die zum König von Babel übergelaufen waren,
und den Rest der Menge
schleppte Nebusáradan, der Befehlshaber der Leibwache,
in die Verbannung.
12Nur von den armen Leuten im Land
ließ der Befehlshaber der Leibwache
einen Teil als Wein- und Ackerbauern zurück.
Kv Wie könnte ich dich je vergessen, Jerusalem! – KvGL 74,1, I. Ton
1An den Strömen von Babel, /
da saßen wir und wir weinten, ∗
wenn wir Zions gedachten.
2An die Weiden in seiner Mitte ∗
hängten wir unsere Leiern. – (Kv)
3Denn dort verlangten, die uns gefangen hielten, Lieder von uns, /
unsere Peiniger forderten Jubel: ∗
„Singt für uns eines der Lieder Zions!“
4Wie hätten wir singen können die Lieder des Herrn, ∗
fern, auf fremder Erde? – (Kv)
5Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, ∗
dann soll meine rechte Hand mich vergessen.
6Die Zunge soll mir am Gaumen kleben, /
wenn ich deiner nicht mehr gedenke, ∗
wenn ich Jerusalem nicht mehr erhebe zum Gipfel meiner Freude. – Kv
Halleluja. Halleluja.
Christus hat unsere Leiden auf sich genommen,
unsere Krankheiten hat er getragen.
Halleluja.
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
1Als Jesus von dem Berg herabstieg,
folgten ihm viele Menschen nach.
2Und siehe, da kam ein Aussätziger,
fiel vor ihm nieder
und sagte: Herr, wenn du willst,
kannst du mich rein machen.
3Jesus streckte die Hand aus,
berührte ihn
und sagte: Ich will – werde rein!
Im gleichen Augenblick wurde der Aussätzige rein.
4Jesus aber sagte zu ihm: Nimm dich in Acht!
Erzähl niemandem davon,
sondern geh,
zeig dich dem Priester
und bring das Opfer dar, das Mose angeordnet hat –
ihnen zum Zeugnis!
Lesungstexte aus der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, vollständig durchgesehene und überarbeitete Ausgabe © 2016 Katholische Bibelanstalt GmbH, Stuttgart. Via Schott-Messbuch, Erzabtei Beuron
Die erste Lesung und der Psalm zeichnen ein Bild von Verlust: Jerusalem fällt, der Tempel brennt, das Volk weint im Exil. Und doch ist genau dort, in der Verwüstung, die Sehnsucht nach Gott noch lebendig: „Wie könnte ich dich je vergessen, Jerusalem!“ Im Evangelium antwortet Jesus auf eine andere Form von Zerstörung – die Ausgrenzung des Aussätzigen – nicht mit Distanz, sondern mit Berührung. Gott ist nicht nur der, der wieder aufbaut; er ist der, der sich in unsere Wunden hineinbeugt und sagt: „Ich will – werde rein!“
Der Aussätzige kommt mit einem Satz, der alles enthält: „Herr, wenn du willst, kannst du mich rein machen.“ Er diskutiert nicht, rechtfertigt sich nicht, versteckt sich nicht. So betest du vielleicht in einer Krise, wenn du merkst, dass du Hilfe brauchst, aber nicht kontrollieren kannst, wie sie kommt. Ein modernes Beispiel: Wenn du vor einer schwierigen Diagnose, einer zerbrochenen Beziehung oder einem inneren Schamgefühl stehst, ist dieser Mann ein Bild dafür, wie du dich Christus hinhalten darfst – ohne Maske, aber mit Vertrauen.
- Nimm dir diese Woche 5 Minuten am Abend und schreibe auf, wo du dich gerade „im Exil“ fühlst: fern von Frieden, Freude oder Hoffnung.
- Lies Mt 8,1–4 langsam zweimal und halte bei Jesu Worten inne: „Ich will.“ Schreibe auf, was diese Worte in dir auslösen.
- Suche bewusst eine Person auf, die sich ausgeschlossen fühlt, und setze ein kleines Zeichen der Nähe: eine Nachricht, ein Anruf, eine konkrete Hilfe.
1. Wo in meinem Leben fühle ich mich gerade wie im Exil oder „unrein“?
2. Was würde ich Jesus heute ehrlich sagen, wenn ich nichts beschönigen müsste?
3. Wo bin ich versucht, mich von anderen oder von Gott fernzuhalten, statt mich berühren zu lassen?
4. Was sagt es mir über Gott, dass er den Aussätzigen nicht meidet, sondern anfasst?
5. Welchen kleinen Schritt kann ich heute setzen, um Christus mein konkretes Bedürfnis hinzuhalten?
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